Johann Matthias Giehlen hätte im Jahr 1809 in der damaligen Mairie Brüggen des Roerdepartements zum Militärdienst eingezogen werden sollen. Bereits 1808 trat er jedoch, eventuell freiwillig, in das 5. Kürassierregiment des französischen Kaiserreichs ein, wo er in wenigen Jahren zum Post- und Zahlmeister aufstieg. Die fünften Kürassiere waren seit Jahrhunderten eins der nobelsten Regimenter der französischen Kavallerie – überhaupt nicht zu vergleichen mit Sapins in der Revolution neu gegründeten 23. berittenen Chasseurs. Daher galt es als eine besondere Schmach, als die schweren Reiter bei Wagram ihren Adler verloren.
Für seine Waffengattung muss Giehlen ein großer, kräftiger Mann und exzellenter Reiter gewesen sein. Seine Verwaltungsfunktionen im Regiment legen nahe, dass er daneben ausgezeichnet rechnen, Französisch schreiben und organisieren konnte. Leider plagte ihn jedoch ein hartnäckiges Augenleiden.
Nach dem ersten Zusammenbruch des napoleonischen Systems wurde Giehlen im Jahr 1814, schon wieder unter dem Königreich, von seinem Regiment entlassen und kehrte nach Brüggen zurück, das damals nicht mehr die Mairie, sondern die deutsche Gemeinde Brüggen war. Allerdings gehörte Brüggen noch nicht endgültig zu Preußen, ebenso wenig wie Lobberich – das wurde erst auf dem Wiener Kongress geregelt.
Zu den Sapins stand Giehlen wohl schon seit 1814/15, in kameradschaftlicher, vielleicht auch freundschaftlicher Beziehung. Dokumente der Sapins legen nahe, dass der Ehrenlegionär Sapin seinem jungen Kameraden, möglicherweise während der Hundert Tage, bei einem Abrechnungsproblem mit Geldern des 5. Kürassierregiments den Rücken gestärkt hat.
Einige Jahre nach dem Tod des alten Sapin heiratete Giehlen dessen Witwe Anna Margarete. Das Paar verkaufte sein Mühlengut schon zu Anna Margaretes Lebzeiten. Ein letztes Dokument zeigt, dass sich der sehr viel jüngere Giehlen danach als Brauer versucht hat – ob schon vor oder erst nach dem Tod Anna Margaretes wissen wir nicht.
Die Veröffentlichung der Dokumente auf dieser Unterseite erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Hans-Leo Giehlen, Brüggen, bei dem alle Rechte liegen. Leider können die Maße und das komplexe Layout der Originaldokumente nicht auf responsive viewing zugeschnitten werden. Die Betrachtung auf Smartphones führt daher zu suboptimalen Leseerlebnissen.
Die Giehlen-Dokumente:
Bücher von Stefan Frank:
